Pflegenotstand – ist die Zukunft der Pflege noch zu retten?

 
 

Unter dieser Fragestellung diskutierte der Ortsverein Altengroden/Neuengroten/VVT unter Leitung der stellvertretenden Vorsitzenden Bettina Grond mit Fachleuten aus den Pflegeberufen. Sascha Steinhagen und Jürgen Lehnau Pflegekräfte am hiesigen Klinikum und gleichzeitig Mitglied des dortigen Betriebsrates.

 

Beide zeigten in ihrem Eingangsreferat eine dramatische Situation im Pfleghebereich an den Krankenhäusern auf. Eine hohe Arbeitsbelastung, basierend auf nicht optimalen Arbeitsabläufen, verbunden mit enormen Zeitdruck, führten zu einem großen mentalen Druck, der oft in die Krankheit der Pflegekräfte führe. Insbesondere psychische Erkrankungen verzeichneten einen dramatischen Anstieg. Die Personaldecke sei zu dünn und führe auch dazu, dass z.B. Hygienestandards nicht oder nur unzureichend eingehalten werden können.

Neben diesen schwierigen Arbeitbedingungen sei die schlechte Bezahlung ein weiterer Grund für die Abwanderung vieler Pflegekräfte auch ins Ausland. Die Niederlande oder Norwegen würden deutlich höhere Löhne zahlen und auch die Pro-Kopf-Zahl der zu Pflegenden dort sei deutlich niedriger. Auch die Tarifflucht und unterschiedliche Bezahlung über Werkverträge und Leiharbeit gerade von privatisierten Krankenhäusern täten ein übriges, um die Unzufriedenheit zu erhöhen und den Mangel zu verstärken.

Im Ergebnis müssen Politik und Gesellschaft dringend handeln, um die Missstände zu beseitigen und eine für die Patienten zufriedenstellende und gesundheitsfördernde Pflege sicherzustellen, und auch ihre Denkweise verändern. Dafür sei es auch erforderlich, Geld für Veränderung in die Hand zu nehmen.                                                       

In der anschließenden Diskussion wurde die Erwartung formuliert, dass aufgrund der guten Haushaltslage des Bundes und der Länder deutlich mehr Geld in die Pflege investiert werden müsse. Hier wird aus Sicht der Diskussionsteilnehmer eine andere Prioritätensetzung erwartet. Gesundheit und ein funktionierendes Krankenhauswesen gehen vor Breitbanderweiterung oder Straßenbau. Einig waren sich die Beteiligten, dass Privatisierung und Gewinnerwartung im Krankenhauswesen den Pflegenotstand noch verschärft hätten. Auch sei die mangelnde Führungskultur an vielen Krankenhäusern eine weitere Ursache.

Am Ende waren sich alle Anwesenden einig, die Pflege sei noch zu retten, aber es müsse schnell und zielorientiert gehandelt werden. Der ehemalige Oberbürgermeister Eberhard Menzel schlug vor, einen Antrag an die/den Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordneten der SPD für Wilhelmshaven zu richten, sich verstärkt diesem Thema anzunehmen und in die Gremien einzubringen. Dies fand die Zustimmung der Versammlung.