AG 60+: Ohne fremde Hilfe

 
 

Wilhelmshaven: 10,2 Millionen Menschen leben im Bundesgebiet mit Behinderung, von denen 7,6 Menschen als Schwerbehinderte gelten. Dabei schlägt das Pendel zu Ungunsten der männlichen Bürger aus, die mit 53 Prozent betroffen sind. In Niedersachsen leben 1,3 Millionen Menschen mit Behinderung

 

Ein Thema, welches die SPD AG 60plus, zum Anlass genommen hat, die Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Petra Wontorra, mit Hilfe des hiesigen Landtagsabgeordneten der SPD, Holger Ansmann, als Gast der monatlichen Zusammenkunft begrüßen zu können.

Unabhängig und nicht weisungsgebunden leitet die 1959 geborene Mutter zweier erwachsener Töchter, selber als Behinderte an den Rollstuhl gebunden, ihr Amt unabhängig der Parteizugehörigkeit,  für alle Bürger und Politiker in den entsprechenden Gremien des Landes Niedersachsen, aus.

In seinem Anfangsstatement ging der Vorsitzende des Sozialausschusse des Landes Niedersachsen, MdL Holger Ansmann, zunächst auf  das Gesetzeswerk, der neu zu gestaltenden "Niedersächsischen Bauordnung" ein. Verabredet war mit der CDU, die Bauordnung für das Land Niedersachsen dahin zu ergänzen, dass bei Neubauten jede zweite Wohnung barrierefrei gestaltet werden soll.

Leider, so Ansmann, trat nach dem Übertritt der Abgeordneten, Elke Twesten, von den Grünen zur CDU, bei der CDU ein Sinnenswandel ein, sodass der entsprechende Passus nicht in die "Niedersächsische. Bauordnung" aufgenommen werden konnte.

"Barrierefreiheit" bedeutet einen umfassenden Zugang und uneingeschränkte Nutzungschance in allen gestalteten Lebensbereichen, so die Hauptreferentin der Veranstaltung, Petra Wantorra,.

"Barrierefrei" sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmitte, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.

Dabei müssen Einrichtungen und Informationen nicht nur von blinden Menschen gefunden und erreicht werden, sondern auch sinnvoll genutzt werden können.

Ist, so die Referentin, der Vordereingang nicht für Menschen mit Rollstuhl nutzbar und werden auf einen Hintereingang verwiesen, ist der Zugang nicht "in der allgemein üblichen Weise" gewährleistet".

Oft wird beobachtet, dass diese Menschen mit ihrem Rollstuhl, über einen Nebeneingang zum Veranstaltungssaal geführt werden, obgleich die kommunikativen Gespräche der Teilnehmer einer Veranstaltung, nicht selten zwischen dem Eingansbereich und dem Versammlungssaal stattfinden.

An Beispielen wurde deutlich, welchen Hindernissen Menschen mit Behinderung ausgesetzt sind.

Wenn ein Rollstuhlfahrer eine Reise mit dem Zug unternehmen will, so muss dieser 24 Stunden vorher der Bahn eine Mitteilung machen, damit die entsprechende Hilfe bereitgestellt werden kann. Bei Reisen mit dem Flugzeug gar 48 Stunden vorher und das mit umfangreichen Angaben über die Behinderung und welche Hilfsmittel benötigt werden, gegebenenfalls wie schwer der Rollstuhl ist etc.

Aber auch in Krankenhäusern und Arztpraxen stoßen behinderte Menschen oftmals auf Behinderungen. So sei es nicht erlaubt, in Krankenhäusern und Arztpraxen den Assistenzhund mit in die Räumlichkeiten zu. nehmen.

Dabei besagt das Grundgesetz ausdrücklich, dass kein Mensch durch seine Behinderung benachteiligt werden darf.

Obgleich Niedersachsen im Bereich der Behindertenvorsorge in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle einnimmt und im Wirkungsbereich der Behindertenbeauftragten beim zuständigen Sozialausschuss man immer ein offenes Ohr findet, ist es die Absicht von Petra Wantorra, in vier Regionen Niedersachsens eine Veranstaltung mit Politikern durchzuführen um mehr Sensibilität für die Belange der Behinderten zu erreichen.

In der sich anschließenden Frage- und Diskussionsrunde, geleitet vom Vorsitzenden der AG 60plus, Dieter Gehrken, wurden insbesondere örtliche Gegebenheiten angesprochen, wie der nicht ganz barrierefreie Zugang zum Rathaus oder zum Wahlamt, welches am Tag der Veranstaltung eben nicht ohne Hilfe zugänglich war obgleich dieses von der Stadtverwaltung angesagt war.

Auch fehle es in Wilhelmshaven an einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen mit aggressiven  Ausfällen, die so, zwischen den Wohnheimen und der Psychiatrie hin und her geschoben werden.

Aber auch das Ärztehaus, welches eigentlich ein Paradebeispiel für den behindertengerechneten Zugang gelten sollte, lässt zu Wünschen übrig. Ein Sehbehinderter Beispielsweiser könne ohne fremde Hilfe den Fahrstuhl nicht benutzen, da es keine akustische Ansage gäbe noch eine Blindenschrift im Fahrstuhl vorhanden sei obgleich im Ärztehaus eine Praxis für Augenheilkunde eingerichtet ist.

Auf fremde Hilfe angesprochen war die Antwort an einen Betroffenen: "Drück doch selber die Taste".

Wie die SPD AG 60plus mitteilt, werden auch weiterhin entsprechende Themen in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen. Allein aus dem Grunde, da insbesondere ältere Menschen und das sind ein Drittel der Bevölkerung, mit Behinderungen oder Beschwernissen rechnen müssen.