Partei

Die Geschichte der SPD reicht zurück bis in die in den Jahren 1863 - 1875 von Ferdinand Lassalle, August Bebel und Karl Liebknecht gegründeten Arbeiterorganisationen. Der Name SPD trat erstmals 1890 auf. Im Kaiserreich wurde sie die stärkste Partei und gleichzeitig lange Zeit durch das Sozialistengesetz unterdrückt. Die SPD wurde nach 1918 zur Mitgestalterin der Verfassung von Weimar, konnte aber keinen bedeutsamen Einfluss ausüben. 1933 stimmte sie als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz, mit dessen Hilfe Adolf Hitler die Diktatur errichten konnte. In dieser Zeit wurde die SPD verboten. Sozialdemokraten wurden verschleppt und in Konzentrationslagern ermordet. Der Vorstand der Partei ging ins Exil.

Nach 1945 wurde die SPD wieder aufgebaut. In der sowjetischen Zone verschmolz die SPD gemeinsam mit der KPD zur SED. Im Westen war die SPD seit der ersten Bundestagswahl des Jahres 1949 siebzehn Jahre lang in der Opposition. Seit dem Godesberger Programm des Jahres 1959 vollzog die Partei die entgültige Trennung vom Sozialismus. In Folge dieser Trennung wurde die SPD eine gesellschaftlich offene Volkspartei.

Die SPD ist heute eine demokratische Volkspartei. Sie vereint Menschen verschiedener Glaubens- und Denkrichtungen, die sich zu Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, zur gesellschaftlichen Gleichheit von Mann und Frau und zur Bewahrung der natürlichen Umwelt. Die Partei steht in der Gemeinschaft der in der Sozialistischen Internationale vereinigten Parteien.

Auch Wilhelmshaven wurde von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten geprägt.
Besonders Stolz sind wir auf Johann Peter Paul Hug.

Johann Peter Paul Hug

Paul Hug

Johann Peter Paul Hug

Johann Peter Paul Hug wurde am 24. Juni 1857 in Heilbronn als Sohn eines katholischen Gefängnisbeamten geboren und ist am 10. Februar 1934 in München gestorben.

Er wollte zunächst Geistlicher werden und besuchte deshalb die Lateinschule in Markgröningen. Später entschied er sich aber für das Schlosserhandwerk und absolvierte von 1871 bis 1874 eine Lehre in Heilbronn. Auf der Wanderschaft als Geselle kam er über Chemnitz, Leipzig, Halle, Halberstadt nach Hannover. 1877 trat er in die Sozialdemokratische Partei ein. Er arbeitete bis 1887 in seinem Beruf in Hannover. 1880 fand er eine Stelle auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven. Er wohnte zunächst in Tonndeich (Gemeinde Heppens) und dann in der Gemeinde Bant. 1882 wurde er Leiter des Gesangvereins „Frohsinn“, einer sozialdemokratischen Tarnorganisation während der Zeit des Sozialistengesetzes. Nachdem er wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ 1887 auf der Werft entlassen wurde, eröffnete er die Gastwirtschaft „Zur Arche“ in Bant. 1890 gründete er einen Druckereibetrieb und wurde auch Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung „Norddeutsches Volksblatt“, später „Republik“.

Hug war bis 1911 Mitglied des Gemeinderates in Bant und gehörte anschließend dem Magistrat und dem Gemeinderat von Rüstringen an. Von 1899 bis 1931 war er auch Landtagsabgeordneter des Großherzogtums und späteren Freistaates Oldenburg. Der Weimarer Nationalversammlung gehörte er bis zum 22. Mai 1919 an.

Während der Novemberrevolution war Hug Mitglied der Provisorischen Regierung, dem so genannten Direktorium, des Landes Oldenburg. Er war als Anhänger der „Mehrheitssozialisten“ auf Mäßigung und Ausgleich bedacht. Ab 1919 war er dann Wohlfahrtsdezernent der Stadt Rüstringen und wurde am 18.3. 1926 Oberbürgermeister der Stadt Rüstringen, und schied am 1.4. 1929 aus dem Amt aus. Als Wohlfahrtsdezernent gründete er die „Vereinigung für soziale Fürsorge“, deren 1. Vorsitzender er bis 1932 war. Nach dem Tod seiner Frau zog er dann 1932 zu seiner Tochter nach München. Von den neuen Machthabern wurde 1933 die Pension gekürzt und sein Name vom Eingang des Kinderheimes entfernt und das Haus in „Kinderheim am Banter Weg umbenannt. Hug starb 1934 in München. Seine Urne wurde hier auf dem Friedhof Friedenstraße beigesetzt.

Diese Aufzählung seiner Lebensdaten wird aber seiner Bedeutung nicht gerecht.

Wer sich zu Beginn des Deutschen Kaiserreiches der Sozialdemokratischen Bewegung anschloss, um für die Verbesserung der Lage der Arbeiter zu streiten, hatte mit hohen persönlichen Einschränkungen und persönlichen Opfern dafür zu zahlen, musste auch stets damit rechnen, aus der Heimat ausgewiesen zu werden. So erging es einem anderen verdienten Sozialdemokraten, dem Genossen Carl Friedrich Trillhose aus Heppens.

Hätte Hug auf der anderen Seite der Grenzstraße gewohnt, er hätte Bekanntschaft mit preußischen Gefängnissen gemacht, wie August Bebel, und wäre während des Sozialistengesetzes wahrscheinlich ausgewiesen worden. Davor hat ihn allein die liberalere Grundhaltung des oldenburgischen Staates geschützt. Die SPD in Bant war zu jener Zeit ein sogenannter „Vorort“ im Land Oldenburg, das bedeutete, der Banter Vorstand war zugleich der Vorstand des Oldenburger Landes. Das bedeutete auch viele Abwesenheiten von Zuhause. Ich denke, seine Frau und seine Tochter haben es deshalb nicht leicht gehabt.

Es gab noch keinen ausgebauten öffentlicher Nahverkehr: das hieß, viele „Agitationsabende“ in der Umgebung, wie z. B. nach Zetel oder Sande, mussten zu Fuß erledigt werden. Es gab keine bequemen Hilfsmittel wie Computer, Internet und E-Mail: das heißt unzählige Briefe und Artikel waren mit der Hand zu schreiben.

Öffentliche Ehre und Anerkennung gab es zu jener Zeit für ausgewiesene Sozialdemokraten ebenfalls nicht – die Anerkennung, die 1928 die Rüstringer Paul Hug zollten, in dem sie das Kinderheim nach ihm benannten, wurde 1933 von den Nazis rückgängig gemacht.

Wir Sozialdemokraten werden Johann Peter Paul Hug nicht vergessen!

 

Johann Janßen, als "Vater der Schulen" in Erinnerung

Der Wilhelmshavener Sozialdemokrat war unter anderem von April 1961 bis November 1972 Oberbürgermeister der Jadestadt. Geboren wurde Janßen am 18. September 1895 in Heidmühle und begann nach dem Ersten Weltkrieg seine politische Karriere als SPD-Abgeordneter im Rüstringer Stadtrat. Am 13. Oktober 1946 kam er zunächst in die erste Gemeindevertretung nach dem Krieg, die von der Militärregierung einberufen wurde. 1946 wurde er in den ersten Stadtrat gewählt. In der ersten Sitzung wurde Janßen zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt hatte er von 1946 bis 1952 sowie von 1956 bis 1961 inne.
Sein Interesse als Kommunalpolitiker galt vor allem dem Wiederaufbau der Schulen. Noch heute gilt der Politiker deshalb als "Vater der Schulen". Außerdem leitete Janßen zeitweise das kommunalpolitische Sekretariat der SPD und war Vorsitzender des DGB-Kreisausschusses Wilhelmshaven-Friesland. 1972 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Zudem wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens und dem großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet.

 

Reinhard Nieter

Reinhard Nieter (* 16. Oktober 1883 in Brunne; † 8. Juni 1964 in Wilhelmshaven), SPD, war von 1945–1952 und 1956–1961 Oberbürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, dazwischen Senator und Bürgermeister. Sein großes soziales Engagement für die Bevölkerung der Jadestadt führte dazu, dass das Reinhard-Nieter-Krankenhaus in Wilhelmshaven nach ihm benannt wurde.

Reinhard Nieter war gelernter Schlosser und kam während seiner Dienstzeit in der Marine nach Wilhelmshaven, wo er von 1908 bis 1927 auf der Kaiserlichen Werft arbeitete. Er war bereits während des Ersten Weltkrieges Mitglied im Arbeiterausschuss der Werft und wurde 1919 Mitglied im Stadtrat von Rüstringen sowie 1920 Vorsitzender des Rates.

1933 wurde Reinhard Nieter aller seiner Ämter enthoben. 1945 wurde er dann zunächst Mitglied des von den Alliierten eingesetzten Vertrauensausschusses und schließlich Oberbürgermeister von Wilhelmshaven. Nachdem er 1961 sein Amt an Johann Janßen abgegeben hatte, beteiligte er sich auch weiterhin als Senator und Vorsitzender des Bauausschusses in der Kommunalpolitik.